Finanzmathematik
1. Zinsrechnung
1.2. Unterjährige Verzinsung
Zinsgutschriften müssen nicht zwangsläufig am Jahresende erfolgen, sondern können auch mehrmals innerhalb eines Jahres in gleichen zeitlichen Abständen auftreten. Sollte die Anzahl dieser Zinsgutschriften endlich sein, so bezeichnet man die Verzinsung als diskret ansonsten als stetig.
1.2.1. Diskrete Verzinsung
Für weitere Erläuterungen werden noch folgende neue Bezeichnungen benötigt:
| m | Anzahl der Zinsperioden pro Jahr | |
| rm | effektiver Jahreszins | |
| u | nomineller Jahreszins |
Bisher wurde von einer Zinsgutschrift pro Jahr (m = 1) ausgegangen. In der Realität treten aber auch vierteljährliche (m = 4) oder monatliche Zinsgutschriften (m = 12) auf. Für das Kapital nach 1 Jahr gilt dann:
| K1 = K0 ⋅ | ( | 1 + | u | ) | m |
| m |
Der gleiche Betrag soll sich ergeben, wenn das Kapital zu Beginn K0 mit dem effektiven Jahreszins rm verzinst wird.
| K1 = K0 (1 + rm) |
Demnach kann der effektiven Jahreszins rm wie folgt berechnet werden:
| rm = | ( | 1 + | u | ) | m | - 1 |
| m |
Beispiel
Bei einer Kapitalanlage von 1.000 EUR zu 3 % p.a. nomineller Zins ergeben sich in Abhängigkeit von m folgendes Endkapital K1 und der dementsprechende effektive Jahreszins rm:
m = 1 => K1 = 1.030,00 EUR und r1 = 3,00 %
m = 2 => K1 = 1.030,23 EUR und r2 = 3,02 %
m = 4 => K1 = 1.030,34 EUR und r4 = 3,03 %
m = 12 => K1 = 1.030,42 EUR und r12 = 3,04 %
Das Kapital am Jahresende steigt also mit wachsendem m an.
Übungen
-
Welcher Betrag ergibt sich, wenn 200 EUR für 1 Jahr mit einem nominellen Zinssatz von 2,5 % bei
monatlicher Verzinsung angelegt werden ?
- Welchem effektiven Jahreszins entspricht ein nomineller Zinssatz von 1,7 % p.a. bei vierteljährlicher Verzinsung ?
1.2.2. Stetige Verzinsung
Wie wir gerade gesehen haben, bewirkt eine Erhöhung der Zinsperioden pro Jahr m ein Ansteigen der jährlichen Effektivverzinsung rm. Setzt man dies immer weiter fort, geht man zu einer stetigen Verzinsung über. Der Effektivzins und damit das Endkapital wird trotzdem nicht unendlich groß, wie jetzt gezeigt wird:
| K1 = | lim | K0 ⋅ | ( | 1 + | u | ) | m |
| m→∞ | m |
K0 hängt nicht von m ab, daher kann man es vor den Limes schreiben. Weiterhin setzen wir m = u ⋅ k, wobei k einfach eine natürliche Zahl ist. Somit erhält man:
| K1 = K0 ⋅ | lim | ( | 1 + | 1 | ) | u ⋅ k |
| (u⋅k)→∞ | k |
Das u spielt innerhalb des Limes keine Rolle, da es sich um eine Konstante handelt und wird einfach weggelassen. Mit Hilfe der Definition der Eulerschen Zahl e
| e = | lim | ( | 1 + | 1 | ) | k |
| k→∞ | k |
erhält man die Formel für das Kapital nach 1 Jahr bei stetiger Verzinsung:
| K1 = K0 ⋅ eu |
Die Formel für den Effektivzins gilt entsprechend.
| r = eu - 1 |
Beispiel
Bei einer Kapitalanlage von 1.000 EUR zu 3 % p.a. nomineller Zins ergeben sich bei stetiger Verzinsung folgendes Endkapital K1 und der dementsprechende effektive Jahreszins r:
K1 = 1.030,45 EUR und r = 3,045 %
Übungen
-
Welcher Betrag ergibt sich, wenn 1.500 EUR für 1 Jahr mit einem nominellen Zinssatz von 2,3 % bei
stetiger Verzinsung angelegt werden ?
- Welchem effektiven Jahreszins entspricht ein nomineller Zinssatz von 3,2 % p.a. bei stetiger Verzinsung ?